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Kalkutta

Projektbeginn: 1983 |

Einsätze: 1469

Kalkutta

Das Kalkutta-Projekt im Überblick

Das Kalkutta-Projekt im Überblick

Daten und Fakten

Projektbeginn: 1983

Anzahl Ärzte zurzeit: Sechs Ärztinnen/Ärzte.

Einsätze: 45 unentgeltliche Einsätze im Jahr 2018. Von 1983 bis Ende 2018 wurden von den Ärztinnen und Ärzten insgesamt 1.469 unentgeltliche Einsätze durchgeführt.

Patientenkontakte: Jährlich werden in Kalkutta etwa 40.000 Behandlungen vorgenommen.

Partner: Seit Beginn der Arbeit in Kalkutta kooperiert unser Partner German Doctors mit der einheimischen Hilfsorganisation Howrah South Point (HSP), die sich auf die Arbeit mit behinderten Kindern aus den Slums spezialisiert hat. Die freiwilligen Ärzte der German, Swiss und Austrian Doctors bilden die allgemeinmedizinische Abteilung unter dem Dach von HSP.

Struktur: Täglich fahren drei Teams mit jeweils zwei Ärzten nach einem festen Raster in die verschiedenen Slumambulanzen im Stadtgebiet Kalkuttas und Howrahs. Daneben unterhalten wir Tuberkulose-Krankenhäuser für Frauen und Kinder sowie verschiedene Tuberkulose-Ambulanzen. Ferner wird ein stationäres Ernährungsprogramm für schwer unterernährte Kinder gefördert.

Einsatzgebiet(e): Slums der Schwesternstädte Kalkutta und Howrah.

Häufigste gesundheitliche Probleme: Infektiöse Erkrankungen, Fehl- und Unterernährung, Diabetes, Bluthochdruck, chronisch obstruktive Lungenerkrankung, Tuberkulose.

Schwerpunkte: Station für schwer unterernährte Kinder in Shibpur, Tuberkulose-Krankenhaus St. Thomas-Home für Frauen, Tuberkulose-Klinik für Männer, Pushpa Home für an Tuberkulose erkrankte Kinder, Impfprogramme für Kinder, Schwangerenbetreuung

Das Kalkutta-Projekt im Überblick

Gesundheit für arme Patienten in den Slums

Die Swiss Doctors und ihre Kollegen von den German und Austrian Doctors arbeiten in Kalkutta und der Nachbarstadt Howrah auf vielfältige Weise, um der armen Bevölkerung eine Gesundheits­versorgung zu ermöglichen: Täglich fahren die ehrenamtlichen Ärztinnen und Ärzte mit ihrem Team aus Übersetzern und Schwestern unterschiedliche Standorte in den Slums der Stadtgebiete an, um dort Patienten zu behandeln. Bereits bei der Ankunft werden sie von einer großen Menge wartender Menschen erwartet. Jeder Arzt sieht täglich 50 bis 70 Patienten. Häufige Erkrankungen sind Erkältungen, infektiöse Erkrankungen, Durchfall­erkrankungen, Bluthochdruck und immer wieder Tuberkulose. Insgesamt werden neun Ambulanzen im Stadtgebiet und in der Umgebung regelmäßig angefahren.

Für mangel- und unterernährte Kinder gibt es ein Ernährungsprogramm, für Kinder mit schweren akuten Erkrankungen eine Kinderstation. Wir unterhalten Kliniken zur Behandlung von Tuberkulose und kümmern uns um chronisch Kranke. Besonders wichtig ist uns die Schwangeren­betreuung und Familienplanung. Jedes Jahr impfen wir zudem mindestens 20.000 Kinder gegen Polio, BCG, DTP, Masern-Mumps-Röteln und Hepatitis B, um diesen Erkrankungen vorzubeugen.

Das Kalkutta-Projekt im Überblick

Tuberkulose-Arbeit in Kalkutta

Die Menschen in den Slums leben dicht gedrängt in ärmlichen Hütten­siedlungen. Die meisten Behausungen haben keine gute Belüftung. Sehr viele Menschen leben in diesen Hütten auf engstem Raum zusammen. Dies sind optimale Verbreitungsbedingungen für Infektionskrankheiten wie beispielsweise die Tuberkulose, die in Kalkutta leider sehr häufig vorkommt. Die Behandlung dieser Krankheit ist langwierig und erfordert eine konsequente Medikamenteneinnahme - ansonsten entwickeln sich die gefürchteten resistenten Varianten.

Im Pushpa Home, unserer TB-Station für Kinder, behandeln wir jährlich ca. 80 kleine Patienten. Diese bekommen dort regelmäßig ihre Medi­kamente, Vitamine und notwendige Mineralstoffe. Geschulte Mitarbeiter halten engen Kontakt zu den Eltern, um sie in medizinischen und sozialen Fragen zu beraten. Da die Behandlung sehr langwierig ist, stehen zudem drei Lehrer bereit, die die Kinder während ihres Aufenthaltes in einem eigenen Schulraum unterrichten.

Außerdem unterhalten wir mit dem St. Thomas Home ein Krankenhaus nur für an Tuberkulose erkrankte Frauen. Es verfügt neben den Klink­räumen über ein großes ambulantes Diagnostik- und Behandlungszentrum mit eigenem Labor und Röntgenanlage und bietet neben der stationären Ver­sorgung tuberkulose­kranker Frauen auch eine ambulante Tuberkulose-Behandlung sowie eine allgemein­medizinische Ver­sorgung der umgebenden Slumbevölkerung an. Zur Behandlung von tuberkulosekranken Männern unterstützen wir eine weitere auf die Krankheit spezialisierte Klinik einer indischen Partnerorganisation. Diese versorgen wir mit essentiellen Medikamenten und stellen sicher, dass die Behandlung erfolgreich verläuft. Patienten aus unseren Slumambulanzen mit Tuberkulose-Verdacht werden von unseren Ärzten dorthin zur weiteren Versorgung überwiesen.

In unserem Internat Asha Kiran stehen 40 Plätze für Mädchen bereit, die ihre Tuberkulose-Behandlung abgeschlossen haben, aber aus den unterschiedlichsten Gründen nicht zurück nach Hause können – sei es, weil ihre Familienangehörigen ebenfalls erkrankt sind und sich noch in Behandlung befinden oder dass ihre Eltern an der Krankheit verstorben sind. Das Internat ist an die benachbarten St. Francis-Schule ange­schlossen, wo die Mädchen unterrichtet werden.

Insbesondere dem Engagement des Ärzte-Ehepaares Kölle ist es zu verdanken, dass wir in Kalkutta mittlerweile ein gut funktionierendes System zur Behandlung von Tuberkulose-Kranken etabliert haben.

Quacks: Vom Feind zum Freund

Ein großes Problem stellten die vielen selbsternannten Doktoren, Quacksalber - oder kurz „Quacks“ - dar, die sich in den menschenüberfüllten Armenvierteln der Stadt tummeln. Natürlich suchen auch diese Menschen nur nach einem Weg, Geld zu verdienen. Aber dabei schaden sie mangels medizinischer Kenntnisse zwangsläufig der Bevölkerung in den Slums. Denn durch wahlloses und vereinzeltes Verschreiben von Tuberkulose-Medikamenten, die nur Wirkung zeigen, wenn sie über einen längeren Zeitraum konsequent eingenommen werden, werden die gefürchteten Tuberkulose-Resistenzen herbeigezüchtet.

Durch mühsame Überzeugungsarbeit gelang es Langzeitarzt Dr. Tobias Vogt diese „Quacks“ in die staatlichen Tuberkulose-Programme und in die Arbeit der Swiss, German und Austrian Doctors vor Ort zu integrieren. Durch Schulung der „Quacks“, dem Anbieten kleiner finanzieller Anreize bei verantwortungsbewusster Beteiligung am Anti-Tuberkulose-Programm und durch konsequente Aufklärungsarbeit der lokalen Bevölkerung wurde viel erreicht. Bei entsprechenden Symptomen schicken die „Quacks“ nun ihre Patienten zum Tuberkulosetest in unsere Zentren, wo sie bei einem positiven Befund adäquat behandelt werden können. Aus Förderern der Tuberkulose-Verbreitung sind so echte Partner im Kampf gegen diese schreckliche Krankheit geworden.

Das Kalkutta-Projekt im Überblick

Hilfe dort, wo Kinder Hunger leiden

Insgesamt ist der schlechte Ernährungszustand der Slumbevölkerung in Indien ein medizinisches und humanitäres Problem. Unter den Erwachsenen in den Armenvierteln sind Körpergewichte zwischen 30 und 40 Kg die Norm, unter den Kindern finden sich bei über 40 % Zeichen der erheblichen Unterernährung und des nahrungsmangelbedingten Minderwuchses. Speziell die Neugeborenen sind oft in einem beklagenswert unter­gewichtigen Zustand, mit einem mittleren Geburtsgewicht von nur 2.500 g.

Schwerer Mangel an einzelnen Vitaminen ist sehr verbreitet und eine direkte Folge des Fehlens wertvoller Nahrungsmittel. So bekommen viele Kinder praktisch nie oder nur an wichtigen Feiertagen Fleisch, Fisch oder Eier zu essen. Auch Obst ist für die Mehrheit der Bevölkerung kaum erschwinglich. In der Folge kommt es vor allem unter den Kindern zu einem weit verbreiteten Vitamin A-Mangel sowie zu Mangel an Zink, Jod und Vitamin D. Dieser Mangel an Vitaminen und Mineralien schwächt wiederum die Abwehrkraft gegen ansteckende Krankheiten. Hier ergeben sich gefährliche, oft tödliche Interaktionen zwischen dem Problemkreis der Unterernährung und dem der Infektionskrankheiten.

Daher betreiben die Swiss Doctors gemeinsam mit ihren Partner aus Deutschland und Österreich eine eigene Kinderstation, auf die unterernährte Kinder aufgenommen und „aufgepäppelt“ werden. Schwerer erkrankte Kinder können hier zunächst in eigener Regie beobachtet und therapiert werden, bevor man sich für die Überweisung in eines der oft recht teuren Krankenhäuser entscheidet.

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Bessere Lebensbedingungen durch Beratung

In Kooperation mit der Kindernothilfe und indischen Partnerorganisationen wird seit Januar 2010 ein Förderungsprojekt für die Kinder der vom St. Thomas Home betreuten Slums aufgebaut. In der ersten Phase richtet sich dieses Projekt an Mütter mit unterernährten Kindern. Diese Kinder sollen im Zentrum intensiv betreut und behandelt werden, die Mütter sollen schwerpunktmäßig bezüglich der Ernährung ihrer Kinder beraten und geschult werden. Dafür steht neben einer einheimischen Sozialarbeiterin, einer Ernährungsberaterin und einer Krankenschwester auch ein Kinderarzt aus der Schweiz, Deutschland oder Österreich zur Verfügung. Außerdem leistet das Kinderentwicklungsprojekt Aufklärungsarbeit, fördert den Schulbesuch und betreut sozial schwache Familien. Ziel des Projektes ist es, die Lebensbedingungen der Kinder in den Armenvierteln langfristig zu verbessern.

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Wenn eine Stadt aus allen Nähten platzt

Howrah verfügt über ausgedehnte industrielle Anlagen speziell im Bereich der Stahlverarbeitung. In der Nähe dieser industriellen Anlagen haben sich große innerstädtische Slums gebildet. Überwiegend sind diese von Familien bewohnt, die – getrieben von der Suche nach Arbeitsplätzen – perspektivlose ländliche Abschnitte von Indien verlassen haben und nach Howrah gezogen sind.

Es dominiert eine muslimische Population aus West Bengalens Nachbarbundesstaat Bihar. Viele der innerstädtischen Slums sind illegal gebaut und werden von den staatlichen Stellen weder erfasst noch in städtische Planungen, z.B. für die Gesundheitsdienste, einbezogen. Diese innerstädtischen Slums werden nach Schätzungen inzwischen von mehreren hunderttausend Menschen bewohnt.

Die größten Probleme dieser Slums sind die hohe Bevölkerungsdichte, mit im Mittel sieben Personen pro 10 m² Wohnraum, und die dort vorherrschenden schlechten hygienischen Verhältnisse. So fehlt es regelmäßig an Elektrizität, ausreichender Trinkwasserversorgung, hygienischer Abwasser- und Müllentsorgung, ausreichender Ventilation der Behausungen und an der Bekämpfung der allgegenwärtigen Schädlinge. Der Kampf um das ökonomische Überleben ist hart und führt zu bedenklichen Beschäftigungsverhältnissen, niedrigen Löhnen, umfangreicher Kinderarbeit, mafiösen Strukturen, Gewalt und Alkoholismus. Höchstens die Hälfte der Kinder erlernt in einer Schule das Lesen und Schreiben. Politische und religiöse Extremisten finden in diesen Slums großen Zulauf.

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Neuigkeiten aus dem Projekt

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