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Seenotrettung

Projektbeginn: 2021 |

Einsätze: 2

Seenotrettung

Das Seenotrettung-Projekt im Überblick

Das Projekt zur Seenotrettung im Überblik

Projektbeginn: Mai 2021

Anzahl Ärzte zurzeit: Eine Ärztin / ein Arzt.

Partner: Projektpartner ist die zivile Seenot­rettungs­organisation Sea-Eye e. V. mit Sitz in Regens­burg.

Struktur: Ein von den Swiss oder German Doctors ent­sandter Arzt oder eine Ärztin be­gleitet einen jeweils drei­wöchigen Einsatz des Sea-Eye-Rettungs­schiffes „Sea-Eye 4“ auf dem Mittel­meer. Während dieser Zeit werden in Seenot gera­tene Ge­flüchtete vor der liby­schen Küste gerettet, an Bord ge­nommen und an einen sicheren Ort gebracht. Der ehren­amtliche Arzt verant­wortet dabei die medi­zinische Ver­sorgung der Menschen.

Einsatzgebiet: Das Rettungs­schiff "Sea-Eye 4" der Hilfs­organisation Sea-Eye auf dem Mittel­meer. Dieses verfügt über eine nach modernem Standard ausge­stattete Kranken­station.  

Häufigste gesund­heitliche Probleme: Viele Menschen, die eine Flucht über das Mittel­meer hinter sich haben, leiden an Unterkühlung, Flüssigkeitsmangel und Entkräftung. Auch Verletzungen und Wunden müssen behandelt werden. Aufgabe der Mediziner auf dem Schiff ist es, den Gesund­heits­zustand der aufge­nommenen Menschen zu bewerten und erste Behand­lungen durchzu­führen. Wichtig dabei ist auch, die Menschen zu identi­fizieren, die an Land drin­gend weiter­führende Hilfe benöti­gen. Zudem nimmt die psychi­sche Be­treuung der oft schwer Traumati­sierten einen hohen Stelle­nwert ein.

Das Projekt zur Seenotrettung im Überblik

Schnelle medi­zinische Hilfe für die Geretteten

Die Missi­onen an Bord des Rettungs­schiffes „Sea-Eye 4“ sind selbst für erfahrene Crew­mitglieder eine große Heraus­forderung: Niemand kann zuvor sagen, wie viele Menschen geret­tet werden und in welchem körper­lichen und psychi­schen Zustand sie sich befinden. Die einzelnen Mit­glieder werden intensiv auf ihre Einsätze vorbe­reitet, damit sie im Ernstfall professio­nell handeln. Die ehren­amtlichen Einsatz­ärztinnen und -ärzte verant­worten die medi­zinische Hilfe, nachdem die Geflüchteten an Bord genommen wurden. Nach oft mehreren Tagen auf dem Mittel­meer leiden viele von ihnen an Unter­kühlung, Flüssigkeits­mangel und Entkräf­tung. Auch Verletz­ungen, Verätz­ungen und Reaktionen auf Benzin­dämpfe sind häufig. Kommt es an Bord zu einer medizinischen Notfall­situation, die nicht vor Ort behandelt werden kann – das kann eine kompli­zierte Geburt, ein Herz­infarkt oder eine akut benötigte Operation sein – kann die Crew einen Rettungs­hubschrauber anfordern.

Ein offenes Ohr für Traumati­sierte

Da viele Gerettete durch Erlebnisse in ihren Heimat­ländern und auf der Flucht traumati­siert sind, ist bei unseren Doctors – wie bei allen anderen Crew­mitgliedern auch – viel Einfühlungs­vermögen, ein hohes Maß an Sensi­bilität und inter­kultu­reller Kompe­tenz gefragt. Die Geretteten erzählen von Gewalt und Miss­hand­lungen, die sie durch Milizen, Schlepper und andere bewaffnete Gruppen erlitten haben. Die mensch­liche Zuwen­dung ist für viele der an Bord genom­menen immens wichtig; manchmal sogar wichtiger als die medizinische Erst­ver­sorgung. Gelegent­lich versuchen Flüchtlinge an Bord von Rettungs­schiffen sich das Leben zu nehmen. Neben unseren Einsatz­ärzt­innen und -ärzten sind immer auch weitere, medizinisch ge­schulte Personen wie z.B. Rettungs­sanitäter an Bord. Das ist vor allem dann wichtig, wenn plötzlich mehr als hundert Personen zur gleichen Zeit aufge­nommen und erst­ver­sorgt werden müssen.

Das Projekt zur Seenotrettung im Überblik

Vom Fisch­kutter zum Rettungs­schiff

Für die ersten Hilfs­einsätze im Mittel­meer rüstete eine Gruppe frei­williger Helfer im Jahr 2015 den 26,5 m langen Fisch­kutter „Sea-Eye“ in der Werft von Rostock und über­führte das Schiff im Februar 2018 nach Sizilien. Die voran­gegan­gene Gründung des Vereins „Sea Eye e. V.“ in Regens­burg war eine Antwort auf die Schicksale von tausenden von Menschen, die 2015 über das Mittel­meer flohen und ertran­ken. Zwei Jahre später kaufte die Hilfs­organisation die „Seefuchs“, um noch mehr Menschen zur Hilfe kommen zu können. Gleich­zeitig wurde die zivile Seenot­rettung jedoch von vielen Politikern be­kämpft und durch immer neue Auflagen erschwert. Den beiden Sea-Eye-Schiffen wurde die nieder­ländische Flagge entzogen, so dass keine Rettungs­einsätze mehr möglich waren. Fort­geschrieben wurde die Geschichte mit dem dritten Rettungs­schiff, der „Alan Kurdi“. Der Name erinnert symbolisch an das Schicksal des syri­schen Klein­kindes, das tot an einem türkischen Strand ange­spült wurde und dessen Foto um die Welt ging.

Die "Sea-Eye 4"

Nach­dem die „Alan Kurdi“ im Jahr 2020 aufgrund angeblicher technischer Mängel mehrfach nicht mehr aus­laufen durfte, erwarb der Verein schließlich mit Unter­stützung des Seenot­rettungs­bündnisses United4Rescue ein Offshore-Versorgungs­schiff. Viele ehren­amtliche Helfer­innen und Helfer bauten die „Sea-Eye 4“ für den Rettungs­betrieb um. Das Schiff sehr gut für Seenot­rettungs­einsätze geeignet und bietet viel Platz für die Erst­ver­sorgung. Auch eine Kranken­station ist vor­handen.

Aktiv auf See und Land

Die Einsatz­mannschaften der „Sea-Eye 4“ bestehen aus ehren­amtlichen Crew­mitgliedern und professio­nellen See­leuten zur Schiffs­führung. 20 coura­gierte Personen mit verschie­denen Fähig­keiten aus unter­schiedlichen Ländern setzen sich bei jeder Mission für das Wohl der Flücht­linge ein. Mehr als 15.000 Menschen wurden bereits gerettet. Unter­stützt wird jede Mission von vielen Ehren­amtlichen an Land. Sie führen viel­fältige Aktionen durch und machen dabei auf die Rettungs­aktivitäten von Sea-Eye aufmerksam. Sie informieren, sammeln Spenden und gewinnen weitere Unter­stützer für die humanitäre Hilfs­arbeit. Ganz ähnlich, wie auch die Arbeit der Swiss Doctors von den vielen ehren­amtlichen Einsatz­ärztinnen und -ärzten getragen wird.

Das Projekt zur Seenotrettung im Überblik

Lebens­gefährliche Flucht vor humani­tären Krisen

„Ich habe keinen anderen Ausweg gesehen“ ist eine der häufigsten Aus­sagen der Geret­teten auf die Frage, warum sie die riskante Flucht über das Mittel­meer gewagt haben. Krieg, Gewalt, Verfolgung, Armut und Perspektiv­losigkeit treibt sie dazu. Nicht selten in Schlauch­booten, die Wind und Wellen kaum stand­halten können. Der Flucht­weg über das Mittelmeer gilt als die tödlichste See­route der Welt. In Zeiten medialer Echt­zeit­kommu­nikation wissen die Menschen, die versuchen Europa über das Mittel­meer zu erreichen, von den tödlichen Gefahren. Doch eine legale Ein­wanderung nach Europa aus den typischen Herkunfts­ländern – Afrika, Asien und dem mittleren Westen – ist nahezu un­möglich; die Asylpolitik der Europäischen Union zunehmend restriktiv. Und so steigt die Risiko­bereit­schaft der Menschen, über das Mittelmeer zu fliehen.

Zivile Seenot­rettung gewinnt an Bedeutung

Von staatlicher Seite wurden die opera­tiven Kapazitäten zur Seenot­rettung binnen der vergangenen Jahre deutlich ge­schmä­lert. Die italienische Marine­mission „Mare Nostrum“ (2013 – 2014) hatte noch die vor­rangige Aufgabe, Menschen aus Seenot zu retten. Die von der EU getragenen, nach­folgenden Operationen „Triton“ und „Sophia“ zielten zunehmend auf die Bekämpfung von Schleppern und uner­laubten Einreisen ab. So war die „EUNAVFOR MED Operation Sophia“ seit März 2019 nur noch auf Luft­aufklärung ausgelegt. Schiffe waren im Namen der Mission gar nicht mehr unter­wegs. Zivile Rettungs­orga­nisationen wie Sea-Eye versuchen die entstandene Lücke zu füllen. Und tun dies: Zehn­tausenden Menschen haben sie bereits das Leben gerettet. Grund­sätzlich gilt jedoch, dass der Kapitän eines jeden Schiffes die Ver­pflichtung hat, Menschen in Seenot zu retten. Voraus­gesetzt, das Schiff ist in der Lage, Hilfe zu leisten und befindet sich in der Nähe des verun­glückten Schiffes oder Bootes.

Die Lage für Flücht­linge auf dem Mittel­meer hat sich zuge­spitzt

In den vergangenen Jahren wurde die zivile Seenot­rettung unter anderem durch geänderte Schiffs­sicherheits­verord­nungen erschwert. Die Corona-Pandemie ver­schärfte die schwierige Situation noch zusätzlich: Anfang April 2020 schlossen Länder wie Malta und Italien ihre Häfen. Die Bundes­regierung forderte zivile Seenot­rettungs­organisa­tionen auf, keine Fahrten aufzu­nehmen. Im Mai wurde die „Alan Kurdi“ wegen angeb­licher technischer Mängel von der italien­ischen Regie­rung fest­gesetzt. Monate­lang war kein einziges Rettungs­schiff auf dem Mittel­meer unter­wegs. Wissend, dass alle Rettungs­schiffe in Häfen fest­lagen, traten trotzdem rund 6.000 Flüchtlinge zwischen Mai und Juni die gefähr­liche Reise Richtung Europa an.

Im Juni 2018 wurde die Verant­wortung zur Koor­dination von Rettungs­aktionen in inter­natio­nalen Gewässern zudem offiziell auf die libysche Küsten­wache über­tragen. Diese steht vor allem dafür in der Kritik, aus Seenot gerettete Menschen in Inter­nierungs­lager entlang der libyschen Küste zu bringen. In diese haben UN-Organisa­tionen wie das UN-Flüchtlings­hilfswerk UNHCR oder die UN-Migrations­agentur IOM nur einen einge­schränkten Zugang. Auch fehlt es an einer formellen Regis­trierung der Gefangenen und es wird immer wieder von Menschen­rechts­verletzungen berichtet.

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Neuigkeiten aus dem Projekt

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