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Griechenland

Projektbeginn: 2021 |

Einsätze: 0

Griechenland

Das Griechenland-Projekt im Überblick

Das Griechenland-Projekt im Überblick

Projektbeginn: Februar 2021

Anzahl Ärzte zurzeit: 2 Ärztinnen/Ärzte

Partner: Projektpartner ist ARSIS - Association for the Social Support of Youth. Die griechische Nichtregierungs-Organisation mit Sitz in Thessaloniki arbeitet im Norden Griechenlands u.a. in Thessaloniki und Umgebung, Volos, Evros und Ioannina. ARSIS unterhält eine Vielzahl an Projekten im Zusammenhang mit der Flüchtlingsbevölkerung mit besonderem Augenmerk auf unbegleiteten minderjähringen Flüchtlingen. Die Organisation betreibt u.a. Shelter (Kinderheime), Safe zones in den Empfangszentren und betreut minderjährige Flüchtlinge in Gefängnissen.

Struktur: In einem festen Rhythmus von zirka ein bis zwei Wochen halten die Einsatzärztinnen und -Ärzte jeweils Sprechstunden an unterschiedlichen Standorten ab. Unterstützt werden sie dabei von einem fest angestellten griechischen Arzt. Die medizinische Hilfe wird ergänzt durch Information und Aufklärung zu Gesundheit, Hygiene und Schutz.

Einsatzgebiete: Verschiedene Gebiete in Nordgriechenland.

Schwerpunkte: Verbesserung der Gesundheitsbedingungen von Flüchtlingen (mit besonderem Schwerpunkt auf unbegleitete Minderjährige und Kinder) durch basismedizinische Versorgung, Aufklärung und Schutz.

Psychotherapeutische Hilfe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge: Seit August 2016 betreiben wir gemeinsam mit den German Doctors ein psychotherapeutisches Projekt in Kooperation mit ARSIS. Finanziert wurde das Projekt aus Mitteln von Bündnis Entwicklung Hilft (BEH), einem Zusammenschluss von Organisationen, dem die German Doctors als assoziiertes Mitglied angehören.

Das Griechenland-Projekt im Überblick

Hand in Hand mit lokalen Partnern

Um möglichst viele bedürftige Menschen zu erreichen, hält das Team regelmäßig Sprechstunden an verschiedenen Standpunkten ab. Die deutschen Einsatzärztinnen und -ärzte unterstützen die lokale Ärztin, die bei ARSIS angestellt ist. ARSIS unterhält an den Standorten jeweils eine Vielzahl von Projekten für die Geflüchteten, unter anderem einen Sozialdienst und Unterkünfte für unbegleitete Minderjährige. Wir profitieren von den fest etablierten Strukturen unseres Partners und ergänzen das Projekt um die medizinische Komponente. Regelmäßig impfen wir Jugendliche Geflüchtete mit wichtigen Standard-Impfungen wie Masern, Tetanus, Polio etc.

Medizinische Hilfe beschleunigt Integration

Mit dem Zugang zu besseren Gesundheitsdiensten unterstützen wir auch die Bemühungen vieler Flüchtlinge um Integration. Denn laut Gesetz können unbegleitete Minderjährige in Flüchtlingslagern oder in Schutzhaft nicht an geeignete Unterbringungseinrichtungen überwiesen werden, ohne grundlegende medizinische Untersuchungen zu bestehen. Damit soll sichergestellt werden, dass sich keine Infektionen unter den Flüchtlingen ausbreiten. In den überfüllten Lagern gibt es jedoch oftmals nur einen Arzt, der längst nicht alle Menschen behandeln kann und zudem nicht alle Fachgebiete abdeckt. Zugang zu dem nationalen Gesundheitssystem ist erst möglich, wenn die Flüchtlinge das provisorische Camp verlassen haben. Doch auch die nationalen Krankenhäuser sind überlastet. Das hat zur Folge, dass Krankheiten oftmals falsch oder gar nicht behandelt werden – sogar an sich harmlose Infektionen.

Gesundheitsaufklärung und Nothilfe

Ergänzend zu unserer medizinischen Hilfe informieren wir regelmäßig über medizinische Themen, sexuelle Gesundheit sowie über Gesundheitsprävention. Dabei haben wir sowohl die Mitarbeitenden von ARSIS als auch die Geflüchteten selbst im Blick. Vor Ort klären sie die jugendlichen Flüchtlinge regelmäßig darüber auf, welche Dienste sie in Anspruch nehmen können, um ihre Situation zu verbessern. Außerdem unterstützen wir ARSIS, damit Geflüchtete mit Hygieneartikeln und zum Teil auch Nahrungsmitteln versorgt werden können.

Das Griechenland-Projekt im Überblick

Minderjährig, unbegleitet und traumatisiert

Vereinspräsidentin und Psychotherapeutin Dr. Elisabeth Kauder und ihre Kollegin Eva Feine-Enninger, ebenfalls Psychotherapeutin, bauten Ende 2016 gemeinsam mit ARSIS in Griechenland ein völlig neues Projekt für minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge auf. Ziel war es, die Jugendlichen mit psychotherapeutischer Hilfe bei der Verarbeitung ihrer traumatischen Erlebnisse zu unterstützen. Die Therapien für die allein geflohenen Jugendlichen wurden unter anderem in Sindos, Volos und Ioannina durchgeführt. Insgesamt hat das Team etwa 80 Sozialarbeiterinnen und -arbeiter sowie Sozialpädagoginnen und -pädagogen unseres Projektpartners ARSIS in der Methode „Sandspiel in der Gruppe“ geschult. Die Schulung beinhaltete einen theoretischen- und einen Selbsterfahrungsanteil. In regelmäßigen Abständen fanden Workshops und Supervisionen vor Ort sowie ein Erfahrungsaustausch mit allen Beteiligten über Skype statt.

Mit Sandspiel gegen Fluchttrauma

Für die sogenannte Methode des Sandspiels in der Gruppe, die für die Therapie der traumatisierten Jugendlichen eingesetzt wurde, braucht es keine Worte. Sie ist nonverbal und schon allein deswegen bestens geeignet für die Arbeit mit den Jugendlichen aus unterschiedlichen Herkunftsländern. Die Teilnehmenden modellieren ihre Erlebnis- und Gefühlswelt mithilfe von Figuren und Materialien in einer mit Sand gefüllten Box. Die entsprechenden Sandkästen und eine Vielfalt an Materialien bekommen sie gestellt. Sie reichen von Murmeln, Federn und farbigen Steinen über Miniaturgebäude, Kriegsfahrzeuge, menschliche und tierische Figuren bis hin zu Bäumen und anderen Pflanzen.

„Was wir sahen, war sehr berührend“

Dr. Kauder berichtet von ihren Erfahrungen bei der Arbeit mit den Jugendlichen: „Die Art mit den tiefgreifenden Verletzungen durch Kriegserleben und Flucht umzugehen, war unterschiedlich. So haben wir Jungs getroffen, die scheu und zurückgezogen waren und Mühe hatten, Kontakt aufzunehmen. Andere haben ihre Traumatisierung hinter einer Maske der Stärke verborgen. Obwohl es sich in ihrer eigenen Kultur um junge Männer handelte, haben sie sich auf das Sandspiel eingelassen, und was wir zu sehen bekamen, war berührend, auch für die Jugendlichen. Nicht wenige konnten sich kaum von ihren Sandbildern lösen, haben sie stumm und mit Hingabe betrachtet. Sie haben ihre eigenen inneren Bilder vor sich ausgebreitet, sie betrachtet und auch dem mitfühlenden Begleiter offenbart. Häufig konnten wir beobachten, dass die Jugendlichen gelöster den Spielraum verlassen hatten, als sie ihn betreten hatten. Von Mal zu Mal wollten mehr Jugendliche mitmachen.“

Hilfe, die bleibt

Von Beginn des Projektes an war es ein erklärtes Ziel, die engagierten ARSIS-Mitarbeitenden zu schulen, so dass sie die Sandspielsitzungen der Traumatisierten selbständig und kompetent begleiten können. Auch das Konzept „train the trainers“ hat sich bewährt: Bei den letzten Schulungen im Herbst 2018 und Februar 2019 agierten wir nur noch im Hintergrund, denn ARSIS-Mitarbeitende konnten die erworbenen Kompetenzen eigenständig innerhalb der Organisation weitergeben. Insgesamt wurden während der Projektlaufzeit 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschult.

 

Das Griechenland-Projekt im Überblick

Alarmierende Situation in Griechenlands Flüchtlingscamps

Schätzungen zufolge leben etwa 119.500 Geflüchtete in Griechenland (Stand Januar 2021). Die Lebensbedingungen in den Flüchtlingscamps sind mitunter alarmierend, es fehlt an ausreichender Nahrung, Wasser und Hygieneeinrichtungen. Dem Wetter sind die Schutzsuchenden mehr oder weniger schutzlos ausgeliefert. Dazu kommt die quälende Ungewissheit, wie es für sie weitergeht, denn oftmals fehlen wichtigen Informationen über das Asylverfahren. Die Sorge, in die unsicheren Herkunftsländer abgeschoben zu werden, belastet die Menschen enorm.

Wie bedrückend die Situation ist, zeigt sich auch daran, dass mittlerweile viele Menschen in Lagern leben, deren Asyl-Verfahren beendet ist. Sie sind somit anerkannte Flüchtlinge und dürfen in Griechenland bleiben. Leider ist das Hilfesystem für diese Flüchtlinge so schwach, dass sie trotzdem im Lager verbleiben, auf sich gestellt und von der Hilfe der NGOs abhängig sind. Einige von ihnen versuchen weiter nach Deutschland zu reisen und hier erneut Asyl zu beantragen.

Minderjährige Flüchtlinge: Allein und traumatisiert

Die schwierige Situation trifft jugendliche Flüchtlinge häufig besonders hart. Viele der von unserer Partnerorganisation ARSIS betreuten Jugendlichen stammen aus Syrien. Sie wurden von ihren Familien losgeschickt, um sie vor dem Dienst in der Assad-Armee oder beim IS zu bewahren. Gleichzeitig verknüpfen die Familien zu Hause mit der Ankunft der Jugendlichen in Europa hohe Erwartungen. Es ist eine große Last, die auf den Schultern der jungen Menschen lastet. Dazu kämpfen viele Jugendlichen mit den traumatischen Erlebnissen von Krieg und Flucht und einer völlig ungewissen Zukunft.

Zum Glück hat es in Griechenland eine Änderung im Verfahren gegeben, denn noch im Jahr 2020 wurden Jugendliche in sogenannte Schutzhaft genommen. Die alternative Unterbringung ist aber noch immer nicht ganz geklärt, vor allem fehlt es an umfassender sozialer Unterstützung. Noch immer leben viele minderjährige Flüchtlinge auf der Straße.

Corona-Pandemie verschärft die Situation

Diese ohnehin sehr schwierigen Lebensbedingungen hat die Corona-Pandemie noch einmal verschärft. In den überfüllten Camps ist es oft nicht möglich, die Abstandsvorgaben einzuhalten. Zudem ist der Zugang zu sauberem Wasser, Hygieneprodukten und Gesundheitsversorgung sehr beschränkt. Im Rahmen der beschlossenen Präventionsmaßnahmen wurden mehrere Camps zeitweise komplett unter Quarantäne gestellt.

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Neuigkeiten aus dem Projekt

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